Börsenkommentar

Es ist noch gar nicht so lange her – Anfang 2023 – da wurde in den Medien breitgetreten, dass Milliardengewinne in der Autoindustrie die Runde machen.

Jetzt, nur ein ¼ Jahr später heißt es plötzlich „Sanierungsfall Volkswagen“, wie passt das? Mehrere 10000 Stellen sind in Gefahr, abgebaut so werden. Ganze Werke von VW könnten sogar dicht machen. Und um dem ganzen noch eins drauf zu setzen fehlen offenbar im Ergebnis rund 8 Milliarden Euro. Da muss man schon eine gewisse Zeit dafür arbeiten.

Marktbeobachtung

Auf einer bekannten Wirtschaftsseite prangt die Überschrift in etwa „Es wird Zwangsversteigerungen geben“ und dies ist gar nicht so weit hergeholt.

Dafür gibt es zahlreiche Gründe:

In vielen Branchen geraten die Gewinnmargen bereits jetzt unter Druck. Die Investitionen werden aufgeschoben, Mitarbeiter werden abgebaut.

Nicht nur bei den deutschen Autobauern, sondern auch bei „defensiven“ Unternehmen wie Henkel und Fresenius stehen die Margen ebenso unter Druck. Dies erhöht den Druck zu Restrukturierungen, die Unternehmen wie BASF bereits angekündigt haben. Obwohl BASF trotz Ergebniseinbruchs an Jahreszielen festhält. Aber das heißt nichts, das Jahresziel kann schnell revidiert werden.

Um sich auf dem aktuellen Rekordniveau zu halten, wird sich die Mehrzahl der DAX-Unternehmen nicht mehr als Gewinn-Meister, sondern als Restrukturierungs-Meister erweisen müssen.

Ein weiterer Hinweis auf die zurzeit vorherrschende Rezession, wie ich schon Anfang diesen Jahres vorhergesagt habe, ist der deutliche Einbruch des Chicagoers Einkaufsmanagerindex. Dieser hat sich im Mai spürbar eingetrübt. Unterhalb der 50er Marke ist eine Abschwächung in der Wirtschaft zu sehen. Dieser fiel diesmal um beachtliche 8,2 %.

Man beachte zudem, dass das Bankensystem in den USA noch längst nicht wieder sicher dasteht. Schließlich beherbergen Finanzinstitute eine große Anzahl an Anleihen. Um es vereinfacht auszudrücken: durch die immer noch steigenden Zinsen werden Langläufer-Anleihen vom Nennwert her günstiger. Die viel zu hohe prozentuale Anhäufung von Anleihen, kaum Kreditgeschäfte und weitere Unwägbarkeiten führten letztendlich zum Bank Run. Dies hat schon einige Banken in den Exitus geführt. Sie erinnern sich, Silicon Valley Bank, First Republic Bank und die Signature Bank.

Wobei ich mir habe sagen lassen, dass gerade Banken, wenn Sie es denn richtig verstehen, die Bilanzen durchaus optimal gestalten können, sofern nicht ein enormer Teil des Eigenkapitals vernichtet wird, wie es bei den letztgenannten Banken der Fall war.

Fed und EZB

Auch wenn es bereits vereinzelte Großinvestoren für sicher erachten, dass die Notenbank Fed am 14.06.23 den Zinssatz auf dem gleichen Niveau beibehält, kann ich diese Meinung nicht teilen.

Hierfür gibt es mehrere Gründe. Mit der wichtigste Aspekt ist, dass nur ein langfristiges Erhöhen des Hauptfinanzierungszinssatzes erst zu einer Abschwächung des Zinssatzes auf die 2 % Marke führt, wie ich bereits hier geschildert habe. Im Euroland sind die Auftragseingänge bereits im 2.Monat in Folge eingebrochen.

Fast jede Branche leidet mittlerweile schon an enormen Einbußen. Die vielen Zinsschritte machen auch den meisten Konsumenten zu schaffen. Und da ein Erhöhen der Zinssätze sich frühestens in einem halben bis ein ganzes Jahr später bemerkbar macht, ist die Fahnenstange noch längst nicht erreicht. Die EZB hat zudem bereits angekündigt, dass Sie den Hauptrefinanzierungssatz weiter anhebt. Ein Absenken des Zinssatzes würde somit frühestens Anfang bis Mitte 2024 stattfinden, wenn nicht eher noch später.

Ein weiterer Faktor ist, dass die Fed bereits seit einigen Monaten die Geldmenge verknappt, einmal um den Preisanstieg abzufedern, zum 2. aber auch, um die in den Markt zur Stabilisierung gepumpten Milliarden wieder sukzessive zu reduzieren.

Was viele Investoren und Marktbeobachter vielleicht noch gar nicht auf Ihrem Schirm haben, ist, dass auch der Gewerbeimmobilienmarkt sowohl in den USA wie auch in Europa am Einbrechen ist. Das liegt daran, dass die Hypotheken für diese Immobilien öfters refinanziert werden müssen. Dies erfolgt nun in Zeiten steigender Zinssätze, aber zu fallenden Preisen, also mit deutlich höherer Hypothek. Vor allem Regionalbanken finanzieren diese Immobilien und auch die häufige Tendenz zu „Home Offices“ trägt noch dazu bei, dass der Immobilienwert beachtlich fällt, wenn die Finanzierung scheitert. Die ausufernde Immobilienkrise im Jahr 2007 in den USA hat gezeigt, wie schnell es zu einem Absturz an den Börsen weltweit kommen kann.

Zur Erläuterung

Der Federal Funds Rate ist in den USA gleichbedeutend wie der Hauptrefinanzierungszinssatz im Euroland. Jedoch wird von den meisten Amerikanern der Hypothekarzins als wichtigstes Element gesehen. Dieser stieg auf 18%, während die Inflationsrate bei 11% den Höchststand in 1980 erreichte. Der Volcker-Schock, wie er zitiert wurde, brachte dann die langfristige Wende für Amerika. Nämlich den Zinssatz langfristig über die Inflation zu legen, um, vereinfacht ausgedrückt, ein kontinuierliches Absenken der Inflationsrate zu gewährleisten.

Good luck, das werden Sie jedoch nicht brauchen, wenn Sie genauso wie wir eine stabile Rendite von 20 % per Anno haben.

Beste Grüße

Ihr Michael Müller

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