Die Büchse der Pandora

Die Redewendung: die Büchse der Pandora stammt aus der griechischen Mythologie und bezeichnet etwas Außergewöhnliches, aber im negativen Zusammenhang.

Nun scheint die Erinnerung an die Finanzkrise im Jahr 2008, die mit der Abwicklung der Lehman Brothers Investment Bank einherging, doch wiederzukommen. Sie gehörte zu den 5 größten Investmentbanken von Amerika und musste über 28000 Mitarbeiter bei ihrer Abwicklung auf die Straße setzen. Das trotz dieses Ereignisses, nämlich seinen Job zu verlieren, manche Leute dies für den Startschuss in eine neue Karriere genutzt haben, zeigt immer wieder, dass eben nicht alles nur an einem Job hängt. Denn es gibt viele Möglichkeiten. Diese sind unter anderem auch, aus seinen Hobbys eine rentable Geschäftsidee zu machen und damit Geld zu verdienen.

Von den vielen kleineren Banken, die nicht systemrelevant sind, die aber trotzdem viele zum Teil kleinere Anleger und Mitarbeiter auf dem falschen Fuß erwischt haben, ist dagegen wenig publiziert worden. Sicher, es ist schon ein himmelweiter Unterschied, ob ein systemrelevantes Institut andere große Investmenthäuser mitreißen kann. Schon alleine deswegen, weil sich viele Banken untereinander über verschiedene Anlageformen Gelder leihen.

Silicon Valley Bank

Tritt nun so ein Fall ein wie bei der SVB, Silicon Valley Bank, dass mehrere Risikofaktoren gleichzeitig einsetzen, ist selbst so eine große Bank zum Scheitern verurteilt. Wenn nicht eine umfangreiche Risikoplanung, aussagekräftige SWOT Analyse und dergleichen mehr vorhanden gewesen wäre. Dann wäre dies vielleicht nicht passiert. Aber der gleichzeitige Abzug von Kundengeldern, Milliarden Investitionen in Staatsanleihen mit geringeren Zinsen und Mortgage Backed Securities – MBS, traf die Bank vollkommen unvorbereitet, so dass das tragische Schicksal seinen Lauf nehmen musste. Last but not least kamen auch noch eine vollkommen verkorkste Kapitalerhöhung und nicht zuletzt diverse Rundschreiben von Venture-Capital Firmen, ihre Gelder und die der Investoren abzuziehen.

Joe Biden, amtierender Präsident der USA, hat bereits verkündet, dass alle Kundengelder, sprich Einlagen, absolut sicher und wieder abrufbar seien. Dies hat natürlich für eine gewisse Beruhigung im Markt gesorgt. Nun müssen erst einmal die genaueren Hintergründe beleuchtet werden, warum das Risikomanagement komplett versagt hat, ebenso die Führung der SVB. Allerdings hat es auch kleinere Banken, zum Teil durch den massiven Abverkauf von Bankaktien weniger oder härter getroffen. Teilweise waren bis zu 85 % Abschläge zu verzeichnen. Ist hier etwa auch falsches Risikomanagement im Einsatz?

Viele Startup Firmen im Silicon Valley hängen somit natürlich am seidenen Faden, weil nun viele Investoren erst einmal Ihr Geld in Sicherheit bringen.

Spannende Frage: wie wirkt sich dieses Ereignis nun in Deutschland aus und kann uns das genauso passieren?

MIFIR und MIFID II

Prinzipiell schon. Allerdings gibt es in Europa wesentliche schärfere Gesetze als in den USA. Vorlage lieferte die MIFID II, die zum 3. Januar 2018 verschärfte Finanzmarkt Richtlinien in Kraft treten ließ, die die Funktionsweise und Transparenz der Finanzmärkte verbessern sollen. Vor allem wird hierdurch der Verbraucherschutz gestärkt. Vorlage zur MIFID II lieferte die direkte europäische Verordnung MIFIR nach der Finanzkrise 2008 und wird entsprechend in die nationalen Gesetzesgebungen umgesetzt. Daraus entstanden dann verschärfte Richtlinien im KAGB, Kapitalanlagegesetzbuch, das für Kreditinstitute und Vermögensverwaltungen richtungsweisend ist. Daneben sind viele andere Finanzmarkt-Gesetze verschärft worden. Die da unter anderem sind: WpHG – Wertpapierhandelsgesetz, KWG – Kreditwesengesetz, VermAnlG – Vermögensanlagegesetzbuch und natürlich die FinVermV – Finanzanlagenvermittlerverordnung. Das letztere betrifft vor allem Honorarvermittler und Finanzanlagenfachleute, die selbstständig unterwegs sind. Die FinVermV entspricht dabei in weiten Teilen dem KAGB.

Finanzkrise 2008

Ein wesentlicher Unterschied zur Finanzkrise 2008 könnte diesmal sein, dass sich weitere systemrelevante Unternehmen, wie zum Beispiel der damals schwer angeschlagene und weltweit agierende Versicherungskonzern AIG, der unter staatliche Führung mit 150 Milliarden Dollar Beteiligung, gestellt wurde, nun sicherer aufgestellt haben. Durch die enormen Abschreibungen von Privat- und Geschäftsimmobilien finanzierte, salopp formuliert: butterte die amerikanische Notenbank Fed auch nochmal über 50 Milliarden Dollar dazu. Dann durch das Bailout, simpel auch Rettungsaktion genannt, des US-Finanzministeriums, machte der Staat einen Gewinn von 22,6 Milliarden Dollar in 2012.

Versus Europa: Siehe die Verschärfung der Finanzmarkt-Gesetze nach MIFIR.

Ein weiteres wunderbares Zitat, welches ich mir auf die Fahne geschrieben habe:

Ich suche nach von Menschen verursachten Katastrophen, die auf dem Markt sind, und versuche, diese aufzuklären, bevor sie weitere ahnungslose Opfer anlocken.

von Nathan Anderson Hindenburg Research.

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